Specific Carbohydrate Diet (SCD)

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Entstehungsgeschichte

Die Specific Carbohydrate Diet (im Deutschen gelegentlich als Spezifische Kohlenhydratdiät bezeichnet) wurde ursprünglich von einem Gastroenterologen namens Dr. Haas in den USA entworfen, um vor allem an Zöliakie, jedoch auch schon an Colitis erkrankte Patienten zu heilen. Er gab gemeinsam mit seinem Sohn 1951 das Buch "Management of Celiac Disease" heraus, in dem die Diät beschrieben wird. Seine Erkenntnisse gerieten jedoch in Vergessenheit, und es herrschte unter Gastroenterologen bald wieder der Konsens, dass die Ernährung bei der Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen keine Rolle spielt. In den 1960er Jahren wurden seine Studien von Elaine Gottschall wieder entdeckt. Sie war eine Hausfrau, deren Tochter mit vier Jahren an Colitis ulcerosa erkrankte und bald darauf auch nächtliche Attacken psychischer Erregtheit und Verwirrung entwickelte. E. Gottschall weigerte sich, zu akzeptieren, was die Ärzte ihr bald sagten: nämlich, dass es für diese Krankheit keine Heilung gäbe und dass ihrer Tochter der Dickdarm operativ entfernt werden müsse.

Schließlich erhielt sie von einer Bekannten den Tipp, Dr. Haas aufzusuchen, der damals schon über 90 Jahre alt war. Als erster Arzt befragte er sie zu den Essgewohnheiten ihrer Tochter. Dann verordnete er ihr die SCD. Damit waren die nächtlichen Attacken nach einer Woche verschwunden, und die Darmprobleme verbesserten sich ebenfalls innerhalb kürzester Zeit. Bald darauf starb Dr. Haas und Elaine Gottschall fing an, die örtliche Bibliothek zu durchstöbern. Es ärgerte sie festzustellen, dass die Grundlagenforschung, auf die sich die SCD stützte, schon vor Jahren erfolgt war, dass aber die Medizin und Ärzteschaft diese Forschung konsequent ignorierten. Nach wenigen Jahren beschloss sie, ein Studium der Biologie zu beginnen und widmete sich Jahrzehnte lang der Erforschung der unterschiedlichsten Aspekte der SCD: Immunologie, Ernährungswissenschaften, Verdauung, Biochemie. Schließlich gab sie 1987 das Buch "Food and the Gut Reaction" heraus, das 1994 überarbeitet als "Breaking the Vicious Cycle" erschien; unter diesem Namen ist es immer noch erhältlich und dient den SCD-Anhängern von heute als wichtigstes Referenzwerk.

Was die SCD ausmacht

Kurz zusammengefasst, lautet die Theorie in etwa so: Patienten mit einem angegriffenen Darm sind nicht in der Lage, Zweifach- und Mehrfachzucker korrekt aufzuspalten. An den unaufgespaltenen Zuckern erfreuen sich diverse Keime, die sich im Darm breit machen und die guten und hilfreichen Mikroorganismen verdrängen. Das Immunsystem bäumt sich auf und versucht, die Keime abzutöten; bei dem Versuch entzündet sich die Darmschleimheit. Es kommt zu einer verstärkten Durchlässigkeit der Darmwand (leaky gut, Darmpermeabilität), bei der die Keime nun zu allem Überfluss auch noch in die Blutbahn gelangen, wo sie so gar nichts verloren haben. Das Immunsystem fährt weitere Geschütze auf, um die Erreger sowie erkrankte Zellen abzutöten. Die Entzündung und die vermehrte Schleimbildung bietet manchen Keimen allerdings wiederum einen idealen Nährboden. So entsteht ein Teufelskreis (engl. vicious cycle oder circle).

Elaine Gottschall empfiehlt diese Ernährung zur Behandlung der Zöliakie, der Colitis ulcerosa, des Morbus Crohn und des Autismus und anderer psychischer/mentaler Störungen. Nach Verschwinden des letzten Symptoms soll man noch ein Jahr weiter die SCD befolgen und dann nach und nach einzelne nicht-erlaubte Lebensmittel hinzunehmen, um ihre Verträglichkeit zu testen.

Bei der SCD sind die folgenden Nahrungsmittel nicht erlaubt:

Kartoffeln
Reis
Nudeln
Brot bzw. Getreide
Buchweizen, Hirse u.v.a.
verschiedene Körner, z.B. Leinsamen und Chia
Milch
Frischkäse, Hüttenkäse, Buttermilch etc.
Quark
gekaufter Joghurt, Sahne
Haushaltszucker (Sucrose/Saccharose)
die meisten Süßstoffe inkl. Stevia
einige Hülsenfrüchte, z.B. Kichererbsen
Soja in allen Formen
Agar-Agar, Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl (carob)
Kakao (auch pur)
Ahornsirup, Agavensirup, andere Sirupe
viele stärkehaltige Wurzeln und Knollen, z.B. Kohlrabi, Steckrübe
Margarine
und einiges mehr.
Künstliche Zusatzstoffe sollen möglichst vermieden werden.


Die folgenden Nahrungsmittel sind erlaubt:

Nüsse (in Maßen)
Honig (in Maßen)
Fleisch
Fisch
Gemüse
Obst
manche Hülsenfrüchte, zB. grüne Bohnen und Navy- sowie Kidneybohnen (aber erst nach etwa 3 Monaten)
Eier (erst nach Besserung der Symptome)
Butter
gereifter Käse
Selbstgemachter Joghurt. Dieser muss 24 Stunden lang reifen, um die Laktose komplett zu verstoffwecheln, so dass keine übrig ist. Er darf nicht mit Bifidusbakterien hergestellt werden, da diese sich in einem kranken Darm zu stark vermehren können. Er soll vorzugsweise mit Lactobacillus acidophilus, Streptococcus thermophilus und Lactobacillus bulgaricus hergestellt werden. Der Joghurt stellt die wichtigste probiotische Quelle bei der SCD dar und ist ein wichtiger Bestandteil.
--Heidi S 12:38, 29. Aug. 2012 (CEST)