Samen

Aus Paleowiki
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Sa yellow mustard

Immer wieder wird danach gefragt, ob der eine oder andere Samen, Kerne, Saaten oder ähnliches Paleo ist und gegessen werden kann.

Diese Frage ist eher mit "Nein" zu beantworten, bis auf wenige Ausnahmen, die aber eher als Gewürz oder Medizin in kleinsten Mengen verwendet werden wie z.B. Pfeffer, Muskat, Vanille, Fenchel oder Kümmel. Oder siehe auch Sprossen & Keime.


Wikipedia schreibt:

Ein Same oder Samen (verwandt mit lat. semen) ist die Diaspore der Samenpflanzen (Spermatophyta). Er besteht aus einer Samenschale (Testa), dem Embryo und häufig noch einem Nährgewebe (Endosperm oder Perisperm). Der Samen enthält damit alle Anlagen, um unter günstigen Keimungsbedingungen zu einer neuen Pflanze heranzuwachsen. Samen entstehen, nachdem eine in den Samenanlagen sitzende Eizelle durch eine generative Zelle eines Pollenkorns befruchtet wurde. Aus der befruchteten Eizelle (Zygote) entsteht durch mitotische Zellteilungen ein pflanzlicher Embryo, der aber nicht weiterwächst, sondern durch teilweise Austrocknung in einer Art vorläufigen Wartestellung gehalten wird. Dabei gibt es bedeutende Detailunterschiede zwischen Nacktsamern (Gymnospermae): Der Same liegt frei und ist nicht von einer Fruchtwand (Perikarp) umschlossen. Bedecktsamern (Angiospermae): Der Same liegt im Fruchtknoten (Karpell) und ist demnach von einer Fruchtwand umschlossen.


Gründe für die Ablehnung des Verzehrs von Samen

  • Können nicht ohne weitere Zubereitung wie Einweichen, Kochen, Mahlen, Fermentieren usw. sicher verzehrt werden.
  • Enthalten Antinährstoffe und Fraßhemmstoffe, die die nächste Pflanzengeneration vor Fraßfeinden schützen sollen, da Pflanzen nicht weglaufen können.
  • Der mögliche Schaden im Verdauungssystem und dem Rest des Körpers ist größer als der Nutzen durch die enthaltenen Nährstoffe.
  • Die Antinährstoffe hemmen die Aufnahme von Nährstoffen aus anderen Lebensmitteln, indem sie diese binden und unlöslich machen.
  • Historisch haben Samen im Gegensatz zu Wurzeln und Knollen immer nur eine bescheidene Rolle als Notnahrung oder Medizin gespielt, so dass wir aus dem evolutionären Blickwinkel an den Verzehr von Samen nicht angepasst sind.


Wie immer bei Paleo kannst nur du selbst für dich entscheiden, ob du davon essen willst und wie viel bzw. wie oft.


Beispiele

Getreide

  • Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel, Einkorn... (auch die einzelnen Bestandteile wie Kleie, Keime, Stärke, Öl, Gluten...) Nicht Paleo
  • Mais: Maisgluten kann ähnliche Gesundheitsprobleme verursachen wie das Weizengluten. [1] Nicht Paleo
  • Hirse Kritisch bei Glutensensitivität, da eine Gluten Kreuzreaktion auch bei Hirse auftreten kann. [2] Andere Paleo-Autoren stufen Hirse auch als "toxisch" ein [3].
  • Reis als weißer Reis wie parboiled Reis, Basmatireis, Langkornreis, Milchreis, Klebreis etc. wird Reis von einem Teil der Paleo-Gemeinde als weitgehend harmlos und als sichere Stärkequelle (safe starches) angesehen: Gute Bio-Qualitäten können in kleinen Mengen verzehrt werden. Bei einer Reis-Allergie wird darauf natürlich verzichtet, genau wie bei einer generellen Stärkeintoleranz oder bei anderen Gesundheitsproblemen wie z.B. Autoimmunerkrankungen und Darmproblemen.

Ölsaat oder Ölsamen

Ein wesentliches Problem bei den Ölsaaten ist der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die entzündungsfördernd sind. Daneben enthalten sie an Fraßhemmstoffen u.a. auch hormonähnliche Stoffe (Phytoöstrogene), die das hormonelle Gleichgewicht im menschlichen Körper stören können - je nach Menge und Häufigkeit des Verzehrs. Außerdem ist je nach Lagerungsbedingungen und Alter der Ölsaaten auch mit einem unmerkbaren Verderb der enthaltenen Fette zu rechnen, der sie giftig macht, oder einer Belastung durch Aflatoxine.

  • Hanfnüsse [6]
  • Leinsamen [7] Flachs ist extrem hoch in Phytoöstrogenen und sollte deshalb gemieden werden. [8] nicht Paleo
  • Kürbiskerne (Kerne des Steirischen Ölkürbis) [9]
  • Sonnenblumenkerne [11]


Pseudogetreide

Pseudogetreide (auch: Pseudocerealien) sind Körnerfrüchte von Pflanzenarten, die nicht zur Familie der Süßgräser (Poaceae = alle echten Getreidearten) gehören. Die Früchte sind meist sehr reich an Stärke, Eiweiß, Mineralstoffen und Fett. Sie besitzen zwar keine Eigenbackfähigkeit, wie beispielsweise Weizen oder Roggen, werden aber ansonsten ähnlich wie Getreidearten verwendet.

Neben den o.g. Bestandteilen findet sich jedoch oft ein kritischer Anteil an Saponinen, die den Darm schädigen können oder wie beim Buchweizen können selbst durch Spuren gefährliche allergische Reaktionen auftreten. [12]

Beispiele:

  • Buchweizen (Fagopyrum esculentum) – Knöterichgewächse
  • Amarant (Amaranthus) – Fuchsschwanzgewächse
    • Kiwicha
    • Rispen-Fuchsschwanz (Amaranthus cruentus)
    • Amaranthus hypochondriacus
  • Quinoa (Chenopodium quinoa) – Fuchsschwanzgewächse Vorsicht: Gluten kreuzreaktiv! Enthält Anti-Nährstoffe [13] nicht Paleo


Bei Gesundheitsproblemen wie z.B. Autoimmunerkrankungen und Darmproblemen verzichtet man besser auf alle Pseudogetreide, auch bei einer generellen Stärke-Unverträglichkeit. Besonders kritisch ist die Gluten-Kreuzreaktivität zu sehen.

Hülsenfrüchte

Im Paleo-Konsens sind Hülsenfrüchte kein Bestandteil der regelmäßigen Ernährung, da die enthaltenen Antinutritiva in Relation zu den enthaltenen Nährstoffen eine unverhältnismäßige Belastung für den Darm und den Rest des Körpers darstellt. Nicht Paleo

Ausnahmen sind die grüne Bohne (oder auch die gelbe/blaue Gartenbohne) und die Zuckererbsenschote, da hierbei die Fruchthülle verzehrt wird und nur ein kleiner Teil der Samen. Die Verträglichkeit als gekochtes Gemüse ist in der Regel auch bei empfindlichen Personen gut.

Nüsse

Nüsse sind in moderaten Mengen in der Steinzeit-Ernährung erlaubt. Oftmals kommt die Frage auf, warum Nüsse überhaupt Begrenzungen unterliegen, da die Menschen im Paläolithikum wohl auch Nüsse konsumiert haben.

Es ist sicher wahrscheinlich, dass dies der Fall war, sobald Nüsse zur Verfügung standen. Bei Nüssen gibt es wie bei allen Pflanzen allerdings auch regionale und zeitliche Unterschiede. So dürfte im Eiszeitalter die Auswahl an Nüssen für einen Großteil der Menschen begrenzt gewesen sein. Welche Umstände jedoch genau herrschten, kann man heute nur vermuten. Sicher war jedoch das Verhältnis zu der Nuss ein völlig anderes als heute. Nüsse sind eine saisonale Frucht die für die Menschen erst seit kurzem ganzjährig zur Verfügung stehen. Sie mussten gesammelt aus ihren Fruchtständen entfernt und geöffnet werden, was zusätzlich einen wesentlich höheren Zeit- und Energieaufwand vor ihrem Verzehr bedeutete.

Je nach Lagerungsbedingungen und Alter der Nüsse ist auch mit einem unmerkbaren Verderb der enthaltenen Fette zu rechnen, der sie giftig macht, oder einer Belastung durch Aflatoxine.

Geeignet

  • Kokosnuss
  • Macadamia-Nüsse
  • Kastanien / Esskastanien (ggf. vorher einweichen/Wässern)

Begrenzt geeignet

  • Mandeln
  • Haselnüsse
  • Paranüsse
  • Pistazien
  • Pecannüsse
  • Cashews

nur bedingt geeignet

  • Walnüsse


Bei Gesundheitsproblemen wie z.B. Autoimmunerkrankungen und Darmproblemen verzichtet man besser auf alle Nüsse.

Samen in Beeren, Obst und Gemüse

Diese Samen sind von einer Fruchthülle umgeben, die sich in einer Art Co-Evolution mit den sie verzehrenden Tieren (und Menschen) entwickelt haben. Sie wollen gegessen werden, was u.a. an der auffälligen Färbung und dem oft süßen Geschmack zu erkennen ist. Die Samen sind klein, durch eine feste Hülle geschützt werden in der Regel unverändert mit dem Kot wieder ausgeschieden und so incl. eines Dünger-Häufchens weiter verbreitet, so dass die Pflanze einen Verbreitungs-Vorteil aus dem Verzehr der Früchte hat.


Sonstige

  • Kaffeebohnen
  • Kakaobohnen

Gute Bio-Qualitäten können in Maßen genossen werden. Bei Gesundheitsproblemen wie z.B. Autoimmunerkrankungen und Darmproblemen verzichtet man jedoch besser.


Links

Mark's Daily Apple: A Quick Guide to Edible Seeds

Mark's Daily Apple: Are Chia Seeds Healthy?

Mark's Daily Apple: Buckwheat

PaleoHacks: Are Seeds Grains? Are Seeds Paleo?

Urgeschmack-TV Ep. 127: Vergleich zwischen Leinsamen, Chia-Samen, Flohsamenschalen und Sägemehl

Urgeschmack-TV Ep. 103: Was sind Chia-Samen?

Buchweizen, Quinoa und Amaranth

Butterbeliever: Should You Eat Chia Seeds?

Butterbeliever: Are the Benefits of Flax Seeds Worth it?

Nell Stephenson: Are Chia Seeds OK to Eat On The Paleo Diet?

Grass Fed Girl: Quinoa: The Not So Superfood (low in protein, unsustainable, inflammatory and hard to digest)