Ketose

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Dieser Text ist aus dem Blog Constantin Gonzalez Schmitz: Ketose: Wie der Körper durch Fasten Krebs und Krankheiten heilt (01.03.2012)
Dose mit Ketose-Teststreifen

Was ist Ketose

Ketose ist, wenn der Körper seine Energie überwiegend aus Fett bezieht und seinen Glucosebedarf zum Großteil durch selbstgemachte Glucose aus Eiweiss deckt. Der Körper stellt dabei aus Fett Ketonkörper her, die dann von den Muskel- und Organzellen verbrannt werden können. Beim Abbau von Eiweiß zur Herstellung von Glucose fallen weitere Ketonkörper an, die den Prozess unterstützen. Dabei baut der Körper auch eine (gesunde) Insulinresistenz auf, die dazu führt, dass die Zellen, die kein Fett verbrennen können (rote Blutkörperchen, einige Gehirnzellen) ihre Glucose bekommen, während der Rest die Glucose liegen lässt.

Hat Ketose einen Nutzen?

Ketose ist in vielen Fällen heilsam, weil der Körper dann eigenes Eiweiß recycled. Dabei wird nicht (wie oft angenommen) Muskeleiweiß abgebaut, sondern zuerst "Abfall-Eiweiss", also beschädigte Zellen, Viren, Krankheitskeime und anderes Eiweiß, dass schädlich ist oder nicht gebraucht wird. Dadurch hat Ketose auch eine reinigende Wirkung, ähnlich wie Fasten (Fasten und Ketose gehören zum gleichen Vorgang: Das eine führt zum anderen). Ketose ist auch gut, um Bakterien-Infektionen oder Krebs auszuhungern: Bakterien und Krebszellen können nur Glucose verbrennen und können kein Fett nutzen.

Wann komme ich in Ketose

Der Körper schaltet auf Ketose um, wenn Kohlenhydrate sehr knapp sind (20-30g pro Tag oder weniger) und/oder wenn reichlich Fett mit kurz bis mittelkettigen Fettsäuren vorhanden ist (Kokosöl, Butterfett). Man kann also die Ketose unterstützen, indem man viel Fett, vorzugsweise Kokosöl oder Butterschmalz isst, und dabei Kohlenhydrate und Eiweiss komplett weglässt.

Es gibt also einige Parallelen zwischen Ketose und Fasten und tatsächlich ist ab und zu mal ein Fasttag sehr sinnvoll und von der Natur vorgesehen (der Jäger hat nicht immer Erfolg gehabt).

Für die meisten Menschen wird empfohlen, 1-2 mal im Monat einen 24-Stunden Fast-Tag einzulegen (aber nur wenn man gut schläft und keinen Stress hat). Andere empfehlen, für einige Zeit alle Mahlzeiten auf ein 8-Stunden-Fenster am Tag zu beschränken (also z.B. kein Frühstück, Mittagessen um 12:00 und Abendessen um 19:00) Da die Ketose nach ca. 10-12 Stunden einsetzt, hat man damit eine Zeitlang täglich 4-6 Stunden Ketose und damit viele kleine Fastenkuren.

Ketose und Ketoazidose

Ketose wird oft mit Ketoacidose verwechselt ("Ketose? Ich hab' gehört, das ist gefährlich!"). Ketoacidose ist aber was ganz anderes: Wenn der Körper aufgrund von Stoffwechselproblemen nicht in der Lage ist, genug Glucose selbst herzustellen und er keine Kohlenhydrate über die Nahrung bekommt oder er seine Ketonkörper nicht selbst regeln kann, dann kann dadurch das Blut übersäuern, was in der Tat gefährlich ist. Das ist aber bei "gesunder Ketose" nicht der Fall, denn wenn man sich irgendwie ernährt (Paleo oder nicht) ist es fast unmöglich, gar keine Kohlenhydrate zu sich zu nehmen (selbst Eier haben eine geringe Menge und Gemüse sowieso).

Ketose ja oder nein?

Es gibt eine Debatte, ob es sinnvoll ist, bei gesunden Menschen länger als ein paar Tage im Monat in Ketose zu leben, da die Leber dabei ja damit beschäftigt ist, ca. 100-150g Glucose pro Tag aus Eiweiß neu herzustellen. Wenn dann nämlich der Müll abgebaut ist, ist das eine recht teure Art, Zucker herzustellen und die Leber hat in der Regel auch Anderes zu tun. Mangelnde Glucose hat auch Nebenwirkungen: Trockene Schleimhäute, z.B., da für die Schleimigkeit Glucose-Moleküle gebraucht werden. Daher empfehlen Paul Jaminet und andere, Ketose richtig, aber nicht übermäßig einzusetzen und in Normalphasen seinen Glucosebedarf von 100-150g am Tag durch "safe starches" also "harmlose Stärke" wie Gemüse, (Süß-)Kartoffeln, Knollen und andere Stärkehaltige aber Paleo-Kompatiblen Quellen zu decken.

Einfluss der Ketose auf den Körper

Ketose kann auch als Diagnosemittel eingesetzt werden: Bei Verdacht auf Befall durch einen Krankheitserreger kann man testweise ein paar Tage Ketose einlegen. Verbessern sich die Symptome, dann war der Befall bakteriell oder viral bedingt (Bakterien werden schwach, da sie wenig Glucose als Nahrung finden, Viren sind Eiweiße und werden in Ketose "recycled"). Symptome können sich in Ketose aber auch verschlechtern: Das ist ein Zeichen, dass der Befall von einem Pilz stammt, denn Schimmelpilze können Ketonkörper verarbeiten, sind also nicht Glucose-abhängig. Dann hilft, es eine Zeitlang das Gegenteil zu machen: Fett limitieren und den Körper eine Zeitlang von seinen Fettreserven zehren zu lassen während man ausreichend (100-150g am Tag) Kohlenyhdrate zuführt.

Ketose hilft auch der Darmflora: Die "guten" Darmbakterien leben in Symbiose mit dem Menschen und können in Ketose auch von ihm teilweise mitversorgt werden (über die Zusammensetzung der Darmschleimhaut) während die "bösen" Darmbakterien in Ketose ein Problem bekommen, weil über die Nahrung keine Kohlenhydrate mehr zugeführt werden. Das hilft also, das Gleichgewicht aus guten und bösen Darmbakterien wieder in die richtige Richtung zu rücken. Bestimmte Darmkrankheiten können daher mit ketogener oder besonders Kohlenhydrat-reduzierter Diät behandelt werden, wobei es Unterschiede in der Art der erlaubten Kohlenhydraten gibt, je nach dem ob der Körper oder die Bakterien sie schneller aufnehmen können.

Links

  • Ein guter Post zum Einstieg in Ketose: [1]
  • Gute Infos zu Ketose gibt es bei Paul Jaminet in seinem "Perfect Health Diet" Buch/Blog [2] oder in dem Podcast, den er mal mit Chris Kresser aufgenommen hat: [3]
  • Das Einmaleinse der Ketose (Englisch): [4]
  • Wikipedia: [5]