Kalorien

Aus Paleowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gonzalez Schmitz:

Kalorien zählen halte ich für sehr unpräzise, denn es gibt sehr viele verschiedene Arten von Kalorien, und sie werden unterschiedlich verwertet:


Kalorien, die man einnimmt

  • Kohlenhydrate sind Kalorien, die vom Körper zu einem großen Teil in Energie oder in Fett verwandelt werden. Oder sie werden gar nicht verwertet, denn auch die Darmflora isst einen Teil dieser Kalorien auf, und nicht zu knapp!
  • Ballaststoffe werden in den gängigen Messmethoden (die übrigens recht ungenau sind) zu den Kohlenhydrat-Kalorien mitgemessen. Der Brenner, der das Essen verbrennt kann gar nicht unterscheiden, ob er Zellulose, Fructose, Oligofructose, Stärke, Chitin etc. verbrennt. Teile davon kann der Körper verwerten, teile nicht. Die Ernährungs-Wissenschaftler machen es sich also leicht und sagen einfach: Kohlenhydrate, die der Körper nicht verwerten kann, sind einfach Ballaststoffe.
  • Einfach die Ballast-Stoff-Gramm von den Kohlenhydrat-Gramm abzuziehen und dann darauf Kalorien zu berechnen funktioniert auch nicht: Manche Ballaststoff-Kalorien werden von der Darmflora in Ketone verwandelt, die der Körper eben doch verwertet... Dafür krallen sich die Viecher auch so manche Stärke-Kalorie sowie dankenswerterweise einen Teil der Fructose-Kalorien.
  • Proteine zählen zu den Kalorien dazu, obwohl der Körper sie als Baustoff bzw. als Grundlage für andere Stoffe verwendet. Es sei denn der Körper beschließt, einen Glucosemangel durch Gluconeogenese zu decken, so dass dann Proteine doch noch verbrannt werden.
  • Auch Fette werden gerne als Kalorien gezählt, aber Muskelmasse, Membranen, Nerven und andere wichtige Gewebe im Körper enthalten auch Fett und das wird also wahlweise verbaut oder verbrannt. Verbautes Fett wird nicht unbedingt wieder abgebaut, also werden nicht alle Fett-Kalorien wirklich verbrannt.
  • Teile der Fett-Kalorien werden übrigens auch von der Darmflora, wenn auch in geringerem Anteil konsumiert. Ein Teil der Fett-Kalorien werden auch vom Körper wieder ausgeschieden: Talg z.B.
  • Schließlich kann der Körper sich aussuchen, wie viel Prozent der Nahrungs-Kalorien er wirklich verwertet. Das ist der zweite große Regel-Mechanismus zur Einhaltung des vorprogrammierten Körperfett-Anteils neben dem Hunger.


Wegen der o.a. Variations-Möglichkeiten macht es kaum Sinn, diese wirklich zu zählen.


Kalorien, die man verbrennt

Der Körper hat einen Grundumsatz, der stark davon abhängt, wieviele Muskeln man hat. Wenn man also abnehmen will, dann macht es mehr Sinn, Krafttraining zu machen und dadurch Muskelmasse aufzubauen, als zu Joggen. Ich verbrauche mit 9km Joggen gerade mal 500 Kalorien pro Stunde und das mache ich nur einmal die Woche, also ca. 70 Kalorien pro Tag weggejoggt. Wenn ich aber mit einen Grundumsatz von 2000 Kalorien am Tag anfange und nur 5% mehr Muskelmasse aufbaue, dann kann ich am Tag ganze 100 Kalorien mehr verbraten, egal, was ich tue ob im Schlaf, im Sitzen oder bei der Arbeit!

Auch bei den verbrannten Kalorien gibt es Schwankungs-Breiten: Je näher der Körper seinem Fettanteils-Sollwert kommt, desto effizienter fängt er an, mit seinen Kalorien zu arbeiten: Die Körpertemperatur sinkt, die Poren schließen sich usw. Wetter und Aussentemperatur spielen auch eine Rolle: Die Krankenkasse meiner Frau hat ihr mal einen Brief geschickt und allen ernstes vorgeschlagen, die Heizung 1-2 Grad runterzudrehen, um leichter abnehmen zu können :). Das ist kein Witz und mit ein wenig Rechnerei kommt man damit auf signifikante Kalorien-Werte.

Langer Rede kurzer Sinn:

Kalorien rein = Kalorien raus ist ein irreführender Spruch, da es zu viele Variablen für beide Seiten der Gleichung gibt, die nicht alle was mit Körpergewicht zu tun haben, so daß die Formel für das Abnehmen wenig hilfreich ist.

Zum Schluß: Ich kann meine 2000 kcal am Tag entweder als nutzlose Nudeln konsumieren und dadurch langfristig krank, dick und unterernährt werden, oder ich kann meine 2000 kcal am Tag als Mischung aus Fleisch, Gemüse, Früchte, Nüsse, etc. zu mir nehmen und dadurch schlank, gesund und fit sein. Auch hier hilft mir ein Blick auf die Kalorientabelle herzlich wenig :).


Paleo und Abnehmen

Wenn also von Paleo und Abnehmen die Rede ist, dann lasst uns nicht an Low Carb oder Metabolic Balance oder LCHF oder Atkins oder Dogmen oder Paradigmen denken, sondern lasst uns einfach versuchen, herauszufinden, welche Nahrung am besten zum Körper passt, so dass er seinen Bedarf an Nährstoffen aller Art optimal decken kann. Den Rest erledigt der Körper und dafür hat er ein paar mächtige Mechanismen, die es uns erlauben, einfach unser Paleo-Essen zu genießen, ohne groß Kalorien, Carbs oder Shake-Pulver-Tüten zählen zu müssen. Wir dürfen halt nicht anfangen, die natürlichen Mechanismen, die sich über Jahrmillionen eingespielt haben ausser Kraft zu setzen, indem wir große Mengen körperfremdes Zeug zu uns nehmen oder den falschen Sprit tanken.