Eßregeln

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Dr. Natasha Campbell-McBride 09/05/2011

Fleisch - für den einen gut, für den anderen Gift.


Wir sind alle unterschiedlich. Jeder einzelne von uns ist ein Unikat. Also gibt es keinen für alle gültigen Standard, das kann nie funktionieren. Deswegen gibt es so eine hohe Anzahl an unterschiedlichen Ernährungsformen: High und Low Carb, High und Low Fat, Ernährungsformen mit viel und wenig Protein, von reiner Rohkost-Ernährung bis zur Empfehlung alles durchzukochen und so weiter. Das interessante daran ist, dass jede Ernährungsform begeisterte Anhänger mit tollen Erfolgen hat und Menschen, die sich mit der jeweiligen Ernährung schwer tun, sich nicht wohlfühlen, sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt - kurz: bei denen diese Ernährungsform schlichtweg nicht passt. Warum ist das so? Weil immer mehrere Faktoren zusammenwirken, was zur Folge hat, dass es keine "guten" und "schlechten" Nahrungsmittel gibt ohne in die Betrachtung mit einzubeziehen, WER die Lebensmittel zu sich nimmt. Nicht nur, WER isst, sondern auch der jeweilige Zustand, in dem sich die Person gerade befindet. Gehen wir einmal in die Tiefe.

Wir haben alle unterschiedliche Erbfaktoren und eine andere körperliche Struktur. Wenn Deine Vorfahren Wikinger oder Eskimos waren, gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass du generell viel Fisch, Fleisch und Fett benötigst. Kommen Deine Vorfahren eher aus dem Mitelmeerraum oder einem Tropengebiet, wirst Du sehr wahrscheinlich mehr Kohlenhydrate in Deiner Ernährung brauchen.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und im Ayurveda gibt es den Ansatz, die Menschen nach ihrer körperlichen Struktur einzuteilen und niemand käme dort auf die Idee, spezielle Ernährungsratschläge zu geben oder Kräuter zu verabreichen, ohne dass eine Einordnung erfolgt wäre. Weil unterschiedliche Menschen mit einer unterschiedlichen Körperstruktur eben auch völlig unterschiedliche Bedürfnisse haben. Die angesprochene Struktur ist nur EIN Faktor. Und es gibt noch weitere.

Unser ganzes Leben hindurch sind unsere Körper anabolen und katabolen Zyklen unterworfen, also Zyklen des Körperaufbaus und der Reinigung. Es gibt einen täglichen anabolen/katobelen Zyklus, einen jahreszeitenabhängigen und einige, die je nach Anlass abgerufen werden. Für den Körperaufbau werden andere Nährstoffe benötigt als für die Reinigung - tierische Lebensmittel werden grundsätzlich eher für den Aufbau benötigt, pflanzliche Nahrungsmittel wirken dagegen reinigend. Nur Dein Körper weiss, was er davon im Moment benötigt. Je nach dem, in was für einer Situation sich Dein Körper befindet, abhängig von den Jahreszeiten, dem Wetter, Deinem Stresslevel, kann Dein Körper verschiedene Arten der Energiegewinnung nutzen. Zum Beispiel verwendet er dann Gucose oder Fett als Energiequelle. Nur Dein Körper weiss, welche Energieform er in dem jeweiligen Moment Deines Daseins braucht und für die unterschiedlichen Energiegewinnungsprozesse braucht er auch unterschiedliche Nährstoffe.


Jeder Mensch verfügt über ein Vegetatives Nervensystem, welches für alle Funtionen, die automatisch ablaufen und auf die wir keinen Einfluss haben verantwortlich ist. So auch für Deinen Herzschlag, die Blutzirkulation, das Verdauungssystem welches unserem Körper die Nährstoffe zur Verfügung stellt und so weiter. Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Bereichen - dem sympathischen Nervensystem und dem Parasympathikus. Diese beiden arbeiten grundsätzlich gegeneinander und erhalten so ein sehr komplexes Gleichgewicht der einzelnen Körperfunktionen. Noch einmal, abhänngig von den unterschiedlichsten Faktoren wie zB dem Tageszyklus (Aktivität und Schlaf), Jahreszeit, Wetter, Stresslevel, Krankheiten, Aufbauzyklus / Reinigungszyklus, deine Tätigkeiten, wird Dein Körper wechseln von einem aktiven sympathischen Nervensystem zu einem aktiven Parasympathikus. Dieser Wechsel kann mehrere Male am Tag geschehen, oder alle paar Tage, oder wechselt mit der Jahreszeit und ist zudem noch unterschiedlich, je nachdem in welcher Altersgruppe man ist. Wichtig ist, dass beide Bereiche des vegetativen Nervensystems für ihre Funtionen verschiedene Nährstoffe brauchen: Fleisch und Fett auf der einen Seite, während auf der anderen Seite mehr Kohlenhydrate benötigt werden. Nur Dein Körper weiss wie viel Eiweiss / Kohlenhydrate oder Fett er in welchem speziellen Moment haben muss - das kann kein Labor und kein Arzt irgendwie festlegen.

Dann gibt es noch den Säure-Basen-Haushalt im Körper, welcher sich auch abhängig von verschiedenen Faktoren verändert. Es taucht immer wieder der Mythos auf, dass "Sauer" sein schlecht ist, wenn man sich mit Ernährung beschäftigt und dass man anstreben sollte, durchgehend alkalisch / basisch zu leben. Verschiedene Lebensmittel wurden eingeteilt in basisch (wie Obst oder Gemüse) oder sauer (wie Getreide und Fleisch). Aber das stimmt so einfach nicht. Der Säure-Basen-Haushalt in Deinem Körper verschiebt sich immer wieder in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren: Aktivität Deines vegetativen Nervensystems, die Art der Energiegewinnung, Deinem Hormonstatus, der Atmung, der Nierenfunktin, Tagesrhythmus, Jahreszeit, Wetter, Aktivität... Abhängig von all diesen Faktoren kann ein Apfel, der als basisch eingestuft wurde, Deinen Körper übersäuern und umgekehrt ein Stück Fleisch, welches zu den als sauer zu verstoffwechselnden Lebensmitteln gilt, kann basisch wirken. Nur Dein Körper weiss, wie er am besten mit den Nahrungsmitteln umgeht, die Du ihm im jeweiligen Moment zukommen lässt und nur Dein Körper besitzt das innere Wissen um diese unheimlich komplizierten Kalkulationen.

Als wäre das noch nicht genug, gibt es noch den Wasser- und Elektrolythaushalt. Welche sich ebenfalls durch viele Faktoren verschieben und anpassen. Die Mainstream-Medizin zum Beispiel proklamiert Salz als "böse" und empfiehlt eine Reduktion des Salzkonsums. Industriell verarbeitetes Salz sollte genausowenig konsumiert werden wie industriell verarbeitete Lebensmittel (da diese Dinge unnatürlich sind für den menschlichen Körper und somit eigentlich nicht als "Lebensmittel" bezeichnet werden sollten). Wie dem auch sei, natürliches, nicht mit Zusatzstoffen und Rieselhilfen versehenes Salz (wie zB. Himalaya-Salz) enthält mehr als 90 Mineralien und ist nicht nur gut für uns sondern sogar lebensnotwendig um eine korrekte Balance zwischen dem Wasser- und Elektrolythaushalt aufzubauen. Was ist mit dem Mythos, dass Menschen mehrere Liter Wasser täglich trinken müssen, und das noch mit den unterschiedlichsten Angaben an Litern pro Tag in der Ernährungsliteratur. Wenn Du diesen ratschlägen blind vertraust, kannst Du eine Menge Beschwerden bekommen, wenn Dein Körper zu wenig Elektrolyte hat und Salz benötigt, statt Wasser. Für wie klug wir uns auch halten: Wir sind nicht in der Lage, genau abzuschätzen, wie viel Salz oder Wasser wir in dem jeweiligen Moment genau zu uns nehmen sollten. Das weiss nur Dein Körper und er verfügt über gute Mechanismen, Dir genau das mitzuteilen. Durstgefühl für Wasser, ein Verlangen nach Salz oder bestimmten Lebensmitteln, welches genau die richtige Zusammenstellung an benötigten Inhaltsstoffen hat. Mach keinen Fehler, Dein Körper kennt die Zusammensetzung der Lebensmitteln auf diesem Planeten. Dies sind nur einige Faktoren um Dir zu zeigen, dass kein Labor, kein gebildeter Arzt oder Wissenschaftler und kein schlaues Buch in der Lage sind, den für Dich richtigen Nährstoffbedarf für morgens 8.00h oder Mittags um Eins oder auch Abends um 18:00h zu kalkulieren- oder aber für den Snack zwischendurch. Nur Dein Körper hat die Intelligenz, genau das herauszufinden, was er genau braucht, wie sich Deine individuellen Bedürfnisse an Nährstoffen verändern. Jede Minute, jede Stunde, und jeden Tag.

Also, wie machen wir das jetzt? Wie erreichen wir, dass wir unseren Körper mit allem versorgen, was er braucht? Die Antwort ist: Lerne wieder zu spüren, wie Dein Körper tickt. Denke einmal nach: Wenn Dein Körper gerade die Menge x an Protein braucht und die Menge y an Fett und die Menge z an Kohlenhydraten, dazu noch die Anzahl Gramm an Vitamin B 12 und.... und.... Wie würde Dir Dein Körper deutlich machen, dass er genau diese Menge an den eben genannten Komponenten braucht? Und selbst wenn Dein Körper Dir das so explizit sagen könnte, wie würdest Du sicherstellen, dass Du alle zugrunde liegenden Faktoren berücksichtigt hast und ihm genau die richtige Menge anbieten kannst? Aber Mutter Natur ist nachsichtig mit uns und verlangt nichts kompliziertes von uns. Statt dessen gibt sie uns den Geruchs- und Geschmackssinn und das Verlangen nach gewissen Dingen und eine Form von Befriedigung nach dem Essen. Wenn sich Dein Körper also bemerkbar macht, weil er eine bestimmte Mischung an Nährstoffen braucht, wird sich in Dir ein gewissen Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln aufbauen, die genau den Mix an Nährstoffen besitzen, die gefordert sind. Das jeweilige Lebensmittel wird für Dich verführerisch riechen und wunderbar schmecken und nach dem Verzehr wirst Du Dich satt und glücklich fühlen. Vielleicht ändert sich der Bedarf Deines Körpers aber auch eine Stunde später oder zwei und das selbe Lebensmittel wird gar nicht mehr so ansprechend für Dich sein. Statt dessen ist Dir dann eher nach einem anderen Lebensmittel, welches wiederum für diesen Moment genau das an Nährstoffen bereithält, was notwendig ist. Der einzige Weg unserem Körper all das zukommen zu lassen, was er braucht ist also, unsere Sinne wieder einzusetzen. Denken wir darüber noch einmal nach.